Kfz-Handel in Baden-Württemberg: Erdrutsch auch bei gebrauchten Pkw

Stuttgart. Das neue Autojahr ist im Januar unter dem aktuellen Lockdown mit deutlich negativen Zahlen gestartet. Nach dem Erdrutsch bei neuen Pkw mit minus 30,2 Prozent starteten auch die Besitzumschreibungen in Baden-Württemberg mit Einbußen von 31,2 Prozent auf 57.026 (Vorjahr: 82.936) Halterwechsel. Michael Ziegler, Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, sagte, der Automobilhandel brauche schnell konkrete Beschlüsse für Öffnungsperspektiven. Die Lage in den Unternehmen verschärfe sich von Tag zu Tag. „Wir wollen keine Neiddebatte auslösen. Aber es ist unbegreiflich, dass nun je nach Regelung der Bundesländer beispielsweise Baumärkte oder Blumenhändler wieder öffnen dürfen, aber Autohäuser mit ihren wenigen Besuchern am Tag auf einer relativ großen Fläche innen und außen nicht. Nicht nur, dass der Onlinehandel generell kein ausreichender Ersatz für den stationären Handel ist, gerade bei Gebrauchtwagen ist die Begutachtung durch Kunden vor dem Kauf besonders wichtig. Wer kauft schon einen Gebrauchtwagen, ohne ihn vorher vor Ort angesehen und ausprobiert zu haben? Eine von Seiten der Landesregierung im Raum stehende Öffnung des Handels mit Terminvereinbarung wäre ein erster positiver Schritt, den wir begrüßen würden.“

Denn weitere schlechte Monatszahlen wie im Januar könne die Branche kaum verkraften, so Michael Ziegler. Die KBA-Bilanz weise zum Jahresstart 37.470 (Vorjahr: 56.283) Benziner und 17.620 (Vorjahr: 24.578) Diesel aus. Dies sei ein Verlust von insgesamt fast 26.000 Gebrauchtwagen mit diesen beiden Arten von Verbrennungsmotoren. Minuszahlen habe es auch im Segment der alternativen Antriebe gegeben. 1.929 (Vorjahr: 2.072) Gebrauchte, darunter 254 (Vorjahr: 199) reine Batterie-Elektrofahrzeuge und 286 (Vorjahr: 316) Plug-in-Hybride stünden in der Monatsbilanz. Bei den nicht von außen aufladbaren Hybriden sank die Zahl auf 909 (Vorjahr: 956). Gebrauchte gasbetriebene Fahrzeuge (CNG und LPG) waren mit 480 Einheiten auch weniger gefragt als im Januar 2020 (601 Einheiten).

In den schweren coronageprägten Zeiten leide ein Teil des Gebrauchtwagengeschäfts auch, weil elektrifizierte Gebrauchte nach Marktbeobachtungen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) länger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auf Kunden warteten und schneller an Wert verlören, so Präsident Ziegler. „Die produzierten Stückzahlen sind außerdem als Gebrauchte schwer zu vermarkten. Ein Haken ist die Innovationsprämie, die zwar den Boom bei neuen elektrifizierten Fahrzeugen befeuert, aber zugleich die gebrauchten Pendants unattraktiver macht. Das Problem wird künftig auch nicht kleiner, denn viele Elektrofahrzeuge werden geleast und landen nach wenigen Jahren wieder bei den Händlern auf dem Hof. Hier steht uns also bei aller Euphorie über die Elektromobilität eine Erdung ins Haus.“