Weniger Raubüberfälle auf Tankstellen im Südwesten

STUTTGART. Gute Nachrichten für alle, die an Tankstellen arbeiten: Seit 2012 sinkt die Anzahl der Überfälle auf Stationen in Baden-Württemberg kontinuierlich. 2015 wurde mit 62 Überfällen ein neuer Tiefststand erreicht, der noch unter den 66 Überfällen im Jahr 2011 liegt. Auf diese erfreuliche Entwicklung verwies jetzt der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg nach der Auswertung der Kriminalstatik des Jahres 2015. ?Zu dieser positiven Entwicklung haben sowohl technische Lösungen als auch eine verstärkte Umsetzung diverser Sicherheitsempfehlungen beigetragen. Insbesondere dürfte sich bei einer bestimmten Tätergruppe herumgesprochen haben, dass durch konsequente Abschöpfung der Kassenbestände an Tankstellen in der Regel nicht viel ?zu holen? ist?, erklärt der Tankstellenausschuss-Vorsitzende Frank Schumacher. 

Dennoch bleibt das Überfallrisiko nach Einschätzung des Verbandes hoch. Es lässt sich aus der aktuellen Kriminalstatistik errechnen, indem die Anzahl der Tankstellen mit der der Überfälle in Bezug gesetzt wird. Im Land beträgt es 3,34 Prozent, ein im Bundesvergleich zwar eher niedriger Wert. ?Trotzdem ist jeder Überfall einer zu viel. Tankstellenbetreiber sollten ihr Personal regelmäßig die Sicherheitsempfehlungen von Polizei, Berufsgenossenschaft und der Mineralölgesellschaften zur Kenntnis bringen und vorbeugende Maßnahmen zur Prävention, aber auch das richtige Verhalten während eines Überfalls, immer wieder üben. Erst recht gilt dies in Bezug auf neue Mitarbeiter?, so Schumacher. Besonders notwendig sei dies leider auch in den deutschen Ballungsräumen und Stadtstaaten. Das größte Überfallrisiko besteht für Hamburger Tankstellen mit 13,97 Prozent, dicht gefolgt von Berlin (11,37 Prozent). In ländlicheren Gebieten ist das Überfallrisiko deutlich niedriger. So beträgt es in Thüringen 1,5 Prozent, in Bayern liegt es bei nur 0,73 Prozent.

Die Aufklärungsquote solcher Delikte hat sich in Baden-Württemberg hingegen verschlechtert. Sie fiel von 62,1 Prozent im Jahr 2014 auf 51,6 Prozent im vergangen Jahr. ?Diese Aufklärungszahlen sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten?, betont Schumacher. Denn aufgeklärt bedeutet in der Statistik, dass nach polizeilicher Einschätzung innerhalb des Berichtszeitraums ein Tatverdächtiger mit hinreichendem Tatverdacht ermittelt wurde. Fälle, die erst in den folgenden Jahren aufgeklärt werden, gehen nicht in die Statistik ein. Auf der anderen Seite gibt es speziell bei Tankstellenüberfällen häufig Serientäter. Mit nur einem ermittelten Tatverdächtigen steigt somit die Aufklärungsquote stark an. ?Diese Zahlen sind also nur sehr begrenzt zur Einschätzung der Ermittlungserfolge geeignet?, so Schumacher.

Letzte Änderung: 17.10.2016