Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg forciert Lobbyarbeit

Reutlingen. Das Kraftfahrzeuggewerbe in Baden-Württemberg will noch stärker werden und die Zeichen stehen aus Sicht seines Präsidenten Dr. Harry Brambach günstig: Von der wirtschaftlichen Lage her stehe das Gewerbe 2016 gut da, rechne mit leichtem Zuwachs bei den Neuzulassungen und stabilen Verhältnissen im Gebrauchtwagen- und Servicebereich. Vor allem aber konnten der Verband und die in ihm vereinigten 26 Innungen als Interessenvertretung der Mitglieder einige Erfolge verbuchen, wie Dr. Brambach und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß in Reutlingen bei der Delegiertenversammlung darlegten. Der Verband bündele die Kräfte im Kampf gegen unlautere Methoden bei der Schadensteuerung und bei der Interessenvertretung in Brüssel, wo es um EU-Vorschriften geht. Und die Kfz-Schiedsstellen werden trotz der Umsetzung des neuen Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes gestärkt. Alles Argumente für eine Innungsmitgliedschaft, weswegen es in Reutlingen auch darum ging, wie die etwa 25 Prozent der Kraftfahrzeugbetriebe im Land angesprochen werden können, die noch nicht Mitglied sind. Der Haushalt des Verbandes umfasst für 2016 rund 1,59 Millionen Euro (2015: 1,5 Millionen) und wurde einstimmig verabschiedet. 

Aktuell vertritt der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg rund 4.300 Autohäuser, Kfz-Meisterbetriebe und Tankstellen mit rund 54.000 Beschäftigten und über 9.000 Auszubildenden. Die Meisterbetriebe dürfen das blaue Meisterschild führen und das gewinnt jetzt an Bedeutung: Denn durch das neue Verfahren zur Streitschlichtung erfahren auch die jahrzehntelang bewährten Schiedsstellen des Kraftfahrzeuggewerbes mehr Aufmerksamkeit. Die neue zentrale Schlichtungsstelle in Kehl weist ausdrücklich auf die Expertise der Kfz-Schiedsstellen hin: „Die Kfz-Schiedsstellen sind eine neutrale Kommission für den Verbraucherschutz. Kunden, die mit einem durchgeführten Reparaturauftrag oder einem Gebrauchtwagenkauf nicht zufrieden sind, können sich an eine der rund 130 Kfz-Schiedsstellen in Deutschland wenden, wenn der Kfz-Betrieb Mitglieder der Kfz-Innung ist - erkennbar an dem weiß-blauen Meisterschild.“ Nichtmitglieder sind davon ausgeschlossen. Ihnen bleibt nur der Gang zur zentralen Schlichtungsstelle, die nicht auf die Fallgestaltungen im Kfz-Gewerbe spezialisiert ist. 

Der Verband als Dienstleister und Interessenvertreter ist aus Sicht seines Präsidenten Dr. Harry Brambach für alle Anforderungen gewappnet: Die Ausbildungswerbung funktioniert - „Wir sind Spitzenreiter bei den Ausbildungszahlen“. Das politische Feld wird immer wichtiger. Blaue Plakette? „Ist nicht in unserem Sinne“. Rotes Kennzeichen? „Da hat sich der Bundesrat bereits für eine bessere Lösung ausgesprochen.“ Rundfunkbeiträge für Autohäuser? „Da wird derzeit für unsere Mitglieder der Rechtsweg beschritten.“ Verbrauchslabeling, sprich Abmahnabzocke durch die Deutsche Umwelthilfe? „Unser Verband strebt eine klarere EU-Regelung an, die dem Einhalt gebietet.“ EU-Richtlinie Onlinehandel mit verschärften Gewährleistungsregeln für alle? „Da versuchen wir, unverhältnismäßige Fristverlängerungen bei der Gewährleistung  abzuwenden.“ 

Die HUK-Coburg plant, ein Werkstattnetz für Wartungs- und Reparaturarbeiten aufzubauen. Gegen mögliche Preisvorgaben in diesem neuen Werkstattnetz hat der ZDK ein Kartellamtsverfahren angestrengt. Auch an anderer Stelle setzt sich die Verbandsorganisation für ihre Mitglieder ein: Das vom ZDK entwickelte neuen Mehrmarken-Diagnosegerät EuroDFT schafft es, die verschiedenen Herstellerwartungssysteme auf einem Computer laufen zu lassen. Der Beratungsdienst für die Kfz-Betriebe in Baden-Württemberg verzeichnet zunehmende Nachfrage. Bei den Neuwagenportalen ist die „Entscheidung des Kartellamtes völlig unverständlich. Wir überlegen ein Musterverfahren durch einen Kfz-Betrieb“. Zudem soll die Kommunikation mit den Innungsmitgliedern mit überarbeiteten Websites, einem frischen Intranet und einer Innungs-App auf neue Beine gestellt werden. 

Unter dem Strich ist das zwar nur eine Auswahl der Aktivitäten, aber Grundlage für die Absicht des Verbandes und der Innungen, vermehrt bei dem Viertel der Betriebe, das nicht Innungsmitglied ist (aber einen Teil der Dienstleistungen meist gegen Gebühren nutzt), vermehrt für die Mitgliedschaft zu werben.