Starker Juni im Südwesten und gute Halbjahres-Bilanz

Umsatzanstieg bei neuen und gebrauchten Pkw - Plus bei Neuzulassungen - Starke Diesel-Konjunktur - Rendite weiter unbefriedigend - Kfz-Gewerbe will längere Gas-Förderung - Zustimmung zu den Elektro-Hilfen - Service kommt wieder ins Plus 

Stuttgart. Ein starkes Juni-Ergebnis mit zweistelligen Zuwächsen bei den Absatzzahlen neuer und gebrauchter Pkw hat zu einer vordergründig guten Halbjahres-Bilanz des Automarktes in Baden-Württemberg geführt. „Was die Absatzzahlen angeht, haben wir Anschluss an die stabile Konjunktur gefunden“, stellte der Präsident des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes Dr. Harry Brambach fest. Positive Entwicklungen gebe es beim Handelsumsatz, im Service, bei den Pkw-Neuzulassungen und bei den Gebrauchtwagen-Besitzumschreibungen. Die guten Halbjahreszahlen spiegelten auch die an sich positive Grundstimmung in den 4.320 Betrieben des Kfz-Gewerbes im Land wieder. Die baden-württembergischen Autohäuser und Werkstätten schauten dennoch nur mit verhaltener Zuversicht auf die zweite Jahreshälfte, denn trotz der positiven Entwicklungen bleibe die private Nachfrage unverändert hinter den Erwartungen zurück. Zudem sei die Rendite, die die Kfz-Betriebe erwirtschafteten weiterhin deutlich zu niedrig. „Der Autohandel lohnt sich für viele nicht mehr“, so Brambach wörtlich. 

Mit 218.132 Pkw-Neuzulassungen (plus 3,5 Prozent) und 495.923 Pkw-Besitzumschreibungen (plus 4,4 Prozent) liege der Automarkt im Südwesten „im Korridor unserer Prognose“, sagte Brambach. Der Verband habe zum Jahresstart 420.000 Pkw-Neuzulassungen und 960.000 Pkw-Besitzumschreibungen vorausgesagt. Sowohl bei neuen als auch bei den gebrauchten Pkw sei der Diesel im Wortsinne der Wachstumsmotor gewesen. 104.429 (Vorjahr: 100.766) neue und 167.598 (Vorjahr: 154.922) gebrauchte Selbstzünder seien verkauft worden. Zudem stünden 109.968 (Vorjahr:106.568) neue und 322.950 (Vorjahr: 314.883) gebrauchte Benziner in der Halbjahres-Bilanz. 

Enttäuscht sei die Branche von einer eher mäßigen Nachfrage nach neuen und gebrauchten Pkw mit alternativen Antrieben. Im Vergleich mit der Halbjahresbilanz des Vorjahres sei die Zahl der neu zugelassenen Elektro-Mobile von 677 auf 744 und die der Gebrauchtverkäufe von 139 auf 267 gestiegen. Brambach sagte, das baden-württembergische Kfz-Gewerbe begrüße den Beschluss des Bundesrates, einen Gesetzesentwurf zur Sonderabschreibung für gewerbliche Käufer von Elektrofahrzeugen und Ladevorrichtungen für alle Anschaffungen ab dem Jahr 2015 einzubringen. Darüber hinaus sollte es in den Jahren 2015 bis 2019 eine Steuerbefreiung für das von Arbeitgebern gewährte kostenfreie oder verbilligte Aufladen privater Elektroautos geben. 

Der Bundestag sollte nach Darstellung von Brambach den entsprechenden Gesetzesentwurf des Bundesrates zügig aufgreifen. Nur so könne noch im Jahr 2015 mit nennenswerten Investitionen gewerblicher Nutzer gerechnet werden. Durch die steuerliche Freistellung des verbilligt oder kostenlos an Mitarbeiter abgegebenen Ladestroms werde für Arbeitgeber eine Bürokratiehürde abgebaut und durch die Sonderabschreibung auf Ladevorrichtungen ein Anreiz geschaffen. Darüber hinaus sei die Politik gefordert, die Verunsicherung bei Kaufinteressenten von Gas-Fahrzeugen zu beseitigen. Der vor wenigen Tagen vorgelegte „Zwischenbericht der Initiative Erdgas-Mobilität“ mache nämlich deutlich, dass die Zulassungszahlen zurückgingen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 habe es in Baden-Württemberg nur noch 327 (Vorjahr: 488) Neuzulassungen von Erdgas-Pkw gegeben. Auch bei gebrauchten Pkw sei diese Zahl von 702 auf 589 Verkäufe gesunken. Rückgänge gebe es auch bei den autogasbetriebenen Pkw. Die Energiesteuer-Ermäßigung für Erd- und Flüssiggas müsse über das Jahr 2018 hinaus verlängert werden. Dies sollte schnellstmöglich kommuniziert werden. 

Das Kaufinteresse gewerblicher Kunden sei im ersten Halbjahr „die wichtigste Stütze der Autokonjunktur“ geblieben. Nach Schätzungen des Verbandes gehe man in Baden-Württemberg von einem Anteil privater Kunden an allen Neuzulassungen von knapp 35 Prozent aus. Der Trend „weg vom Neuwagen hin zum jungen Gebrauchten“ sei ungebrochen. Das hohe Volumen der Eigenzulassungen durch Hersteller und Handel sorge für eine große Angebotspalette. 

Brambach sagte abschließend, nach vorläufigen Zahlen sei der Abwärtstrend im Service gestoppt worden. Ein leichtes Umsatzplus auf zwei Milliarden Euro zeige, dass im Jahresergebnis 2015 eine positive Werkstattbilanz möglich sei. Ein Umsatzwachstum habe es auch bei neuen und gebrauchten Pkw gegeben. Der Verband gehe von einem Gesamtumsatz mit neuen Pkw in Baden-Württemberg im ersten Halbjahr in Höhe von 6,2 Milliarden Euro, davon 3,9 Milliarden im Kfz-Gewerbe aus. Die Differenz erkläre sich im Wesentlichen durch Direktgeschäfte der Hersteller, etwa mit Flottenbetreibern oder Autovermietungen. Ursächlich für das leichte Umsatzwachstum seien ein weiterer zweistelliger Anstieg der Zulassungszahlen von SUV und das ungebrochene Diesel-Wachstum. 

Im Geschäft mit gebrauchten Pkw, das im ersten Halbjahr einen Umsatz von knapp fünf Milliarden Euro erreicht habe, sei die Position des Fachhandels mit einem Umsatzanteil von 3,8 Milliarden Euro gefestigt. Die durchschnittlichen Preise für neue und gebrauchte Pkw seien erneut leicht auf 29.200 beziehungsweise 10.150 Euro gestiegen. Der Anstieg des Durchschnittspreises habe seine Ursachen unverändert in den Neuwagenkäufen in den oberen Modellsegmenten und dem großen Interesse privater Käufer an jungen und gut ausgestatteten gebrauchten Pkw.