Polizei und Kfz-Gewerbe gegen Einbrüche und Diebstähle

Stuttgart. Nicht nur private Wohnungen, auch Autohäuser und Werkstätten leiden zunehmend unter Dieben und Einbrechern. Die Schäden, die durch Langfinger in Kfz-Betrieben entstanden sind, haben sich von sechs Millionen Euro im Jahr 2013 auf rund zwölf Millionen Euro im Jahr 2014 annähernd verdoppelt, obwohl die entsprechenden Fallzahlen in Baden-Württemberg nahezu konstant blieben (ca. 1.300 Delikte). Autohausbesitzer sind dabei besonders von der Dreistigkeit, mit der die Diebe vorgehen, schockiert. Es ist keine Seltenheit, dass das Diebesgut lastwagenweise abtransportiert wird, etwa wenn ganze Reifenlager in einem Raubzug ausgeräumt werden. Auch bei der Demontage von Anbauteilen wie Spiegeln oder dem Ausbau von Navigations- und Steuerungsgeräten haben die häufig aus Osteuropa stammenden organisierten Diebesbanden die Ruhe weg – und das immer gleich bei mehreren Fahrzeugen in einem Raubzug. Mitunter werden ganze Autozüge leergeräumt.

Diese Entwicklungen waren Grund genug für ein Spitzengespräch zwischen Landespolizeipräsident Gerhard Klotter und dem baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbe. „Unsere Betriebe werden anscheinend immer mehr zu Selbstbedienungsläden für Kriminelle,“ so Verbandspräsident Dr. Harry Brambach. „Die Tathergänge legen aus unserer Sicht den Schluss nahe, dass der Ablauf oft längere Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb brauchen wir mehr vorbeugende Maßnahmen, die verhindern, dass die Täter in Ruhe zuschlagen können. Wir brauchen mehr Prävention, aber auch mehr Repression“.

Der Polizei seien bei der Ermittlung der hochflexiblen Tätergruppen jedoch einige Steine in den Weg gelegt, so Klotter. Dies betreffe beispielsweise die rechtlich sehr hohe Hürde für die Nutzung der Vorratsdatenspeicherung zur Bekämpfung dieses Deliktsfelds, die eine Auswertung der Kommunikationsmuster zur Ermittlung möglicher Täter deutlich erschwere. Den besten Ansatzpunkt für den Schutz der Betriebe böten auf die  jeweiligen Verhältnisse abgestimmte Präventionsmaßnahmen, so der Landespolizeipräsident. Diese reichen von Geländeeinfriedung mit Zaundetektionsanlagen über die einbruchssichere Auslegung von Verkaufsräumen bis zur Einführung von Videoüberwachungssystemen und Security-Services. Um das Bewusstsein dafür zu schärfen, will das Kfz-Gewerbe jetzt gemeinsam mit den Polizeipräsidien Aktionen in der Fläche durchführen. Landespolizeipräsident Gerhard Klotter: „Wir werden die zwölf regionalen Polizeipräsidien im Land unter Einbindung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg beauftragen, sich verstärkt mit Einbrüchen und Diebstählen im Kfz-Gewerbebereich auseinanderzusetzen und die spezifische Kriminalitätslage fortwährend im polizeilichen Fokus zu halten. Hierzu soll der Dialog mit den örtlichen Kfz-Innungen intensiviert werden, um beispielsweise besonders betroffene Betriebe mit der im Einzelfall bestehenden Gefahrenlage und den Präventionsangeboten der Polizei vertraut zu machen.“

Bildzeile: Vertreter des Kraftfahrzeuggewerbes und der Polizei Baden-Württemberg tauschten sich zu Einbrüchen und Diebstählen in Autohäuser und Werkstätten aus. V.l.n.r.: Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß, Kfz-Unternehmer Heiko Knirsch, Landespolizeipräsident Gerhard Klotter, Verbandspräsident Dr. Harry Brambach, Landeskriminaldirektor Martin Schatz, Kriminaldirektor Frank Spitzmüller.