Kfz-Verband kritisiert Werkstattpläne des ADAC scharf

STUTTGART. Der Verband des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg wendet sich gegen Pläne des ADAC, langfristig ein bis zu 150 Betriebe umfassendes Werkstattnetz aufzubauen. Dies gehöre nicht zu den Aufgaben eines Automobilclubs, der in der Vergangenheit bereits mit Werkstatttests Unmut im Kraftfahrzeuggewerbe ausgelöst habe. Zudem müsse der Verein sich fragen, ob er seine Stellung als unabhängiger Verbraucherschützer aufgeben wolle. „Wer selbst im Werkstattmarkt aktiv ist, kann unmöglich als neutraler Dritter auftreten und Werkstatttests durchführen“,  sagte Verbandspräsident Dr. Harry Brambach mit dem Hinweis auf die durch die Medien bekannt gemachten Pläne.

Auch wenn der ADAC vorerst nur wenige Werkstätten plane, seien „die vertraglichen Vorgaben des Clubs nicht haltbar“. Danach müssten Vertragswerkstätten des ADAC zehn Prozent unter den marktüblichen Preisen, jedoch zehn Prozent über den Stundenverrechnungssätzen einer Werkstattkette bleiben. Brambach sagte, diese betriebswirtschaftliche Zwangsregelung verstoße gegen alle kaufmännischen Prinzipien, denn es sei die ureigene Aufgabe des jeweiligen Unternehmers, seine Preise seriös und transparent zu planen.

Es sei allgemein bekannt, dass man bei einem Rabatt von 20 Prozent den Umsatz verdoppeln müsse, wolle man die gleichen Erträge erwirtschaften. Für das ADAC-Werkstätten-Konzept bedeute dies, dass in einem gesättigten Autoservice-Markt der Umsatz um 50 Prozent zulegen müsse. Brambach: „Diese Zahlen verdeutlichen, mit welchen fragwürdigen Planungen der Club Werkstätten in seine Ziele zwingen will.“ Der Verband sei zuversichtlich, dass die aktuellen Diskussionen um den Automobilclub die Verantwortlichen zu betriebswirtschaftlicher und partnerschaftlicher Seriosität und Zuverlässigkeit brächten. „Bei der anstehenden Neuausrichtung des Clubs gehören die Pläne zur Schaffung einer Werkstattkette unbedingt auf den Prüfstand“.

Der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg vertritt als größter handwerklich orientierter Arbeitgeber- und Wirtschaftsfachverband in Baden-Württemberg die Interessen von 26 Kraftfahrzeuginnungen mit rund 4.400 Mitgliedsbetrieben (Autohäuser, Kfz-Meisterbetriebe, Tankstellen), in denen 54.900 Mitarbeiter beschäftigt sind sowie zusätzlich rund 8.900 Lehrlinge ausgebildet werden.