Deutsche Meister müssen Europameister werden

Kfz-Verband fordert EU-weite Übernahme deutscher Standards

STUTTGART. Deutsche Handwerksmeister setzen Zeichen, was die Qualität der Arbeit, die Sicherheit und die Ausbildungsbereitschaft angeht. „Deutsche Meister müssen Europameister werden“, fordert Dr. Harry Brambach, Präsident des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes. „Nach der Europawahl muss die europaweite Einführung einer dualen Ausbildung bis zur Meisterprüfung wie im deutschen Handwerk für die EU-Kommission ein Thema werden. Die vorbildlichen deutschen Qualitätsstandards sollten dafür Pate stehen.“ Dass der baden-württembergische Landtag sich gestern für den Erhalt der Meisterpflicht ausgesprochen hat, freut ihn.  Dennoch: „Wir müssen das Thema offensiv nach Brüssel tragen.“

„Mit Europawahl und Neubesetzung der Kommission ist der Zeitpunkt günstig, eine neue Entwicklung einzuleiten“, so Brambach. Die alte Kommission habe „Liberalisierung im Bereich des Handwerks vollkommen falsch verstanden“, sagt der Verbandspräsident. „Nehmen wir das Beispiel Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk. Unsere Fahrzeuge sind inzwischen so komplex, da kann man nicht jeden dran lassen, der gerade mal weiß, wo beim Ringschlüssel der Ring ist.“ In anderen Gewerken sei das genauso: „Wasserrohre können aus den Fittings rutschen, und wer Solaranlagen falsch montiert, kann ganze Häuser abfackeln. Handwerk ohne Sachverstand geht einfach nicht mehr.“

Normalerweise stehe Europa „für Sicherheitsnormen und für Verbraucherschutz“, und werde „dafür manchmal auch geprügelt.“ Wie der letzte Entscheid in Sachen Spielzeug zeige (Deutschland wurde verurteilt, schärfere Grenzwerte aus den EU-Vorschriften zu übernehmen), sei „die EU durchaus sicherheitsbewusst.“

Dieses Sicherheitsbewusstsein müsse der nächste Kommissionspräsident, egal ob er Martin Schulz, Jean-Claude Juncker oder anders heiße, auch im Bereich Handwerk anwenden, fordert Brambach. „Deutschland liefert ein gutes Vorbild, wie ein florierender, qualitätsorientierter Wirtschaftszweig aufgebaut werden kann, der dazu noch eines der Kernprobleme anderer EU-Mitglieder verhindert: Jugendarbeitslosigkeit.“

Wenn ausbildungswillige Jugendliche aus anderen EU-Ländern nach Deutschland zögen, wenn Delegationen aus der ganzen Welt anreisten, um das duale Ausbildungssystem zu studieren, „warum sollte das dann nicht auch Vorbild für alle Europäer sein können?“ Die deutsche Meisterprüfung werde weltweit als Bachelor anerkannt – „das beweist doch unsere Qualität.“

Der Meisterberief würde von Brüssel fälschlicherweise als Marktzugangsbeschränkung wahrgenommen. Dies treffe aber nicht zu, vielmehr stelle „der Meisterbrief einen Qualifikations- und Sachkundenachweis dar, der auch in einem liberalen und offenen Markt seine Berechtigung hat“. Dafür sei Deutschland ein gutes Beispiel, da hier bereits heute Personen ohne Meisterbrief Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, wenn sie in den entsprechenden Feldern ihre Sachkunde nachweisen können.

Das Kraftfahrzeuggewerbe seinerseits arbeite längst europäisch. „Bei uns sorgen die Hersteller zumindest bei ihren Markenbetrieben für Standards, die den deutschen ähneln“, so Brambach.  Europaweit müsse das „Bewusstsein dafür ausgebaut werden, dass der Handwerker meistens eine Riesenverantwortung trägt“, sagt Brambach und greift zur Verdeutlichung nochmal zum Beispiel Auto: „Bei Handwerkern macht es genau so viel Sinn einen Kenntnisnachweis zu verlangen wie bei Autofahrern, da sie mindestens genau so viel Verantwortung tragen. Wenn Autofahrer europaweit erst nach der Fahrprüfung ans Lenkrad dürfen, dann ist eine Gesellen- oder Meisterprüfung bei Bauhandwerkern, Elektrikern, Installateuren oder im Kfz-Gewerbe sicher auch sinnvoll. Alles andere wäre lebensgefährlich. Bei mangelndem Fachwissen kann ein Airbag beispielsweise leicht zur Bombe werden.“