Carsten Beuß neuer Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Kfz-Gewerbes

STUTTGART. Carsten Beuß (37) ist seit 1. November neuer Hauptgeschäftsführer des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Für die 4.500 Mitgliedsbetriebe und damit für deren Verband „kommen aufregende Zeiten“, dessen ist er sich sicher: „Wir müssen am Beginn einer neuen Epoche mehrere umwälzende Entwicklungen meistern“. Eine technische, wenn die Elektroautos kommen. Eine weitere, wenn die Autos immer mehr allein erledigen, eine (betriebs)wirtschaftliche, wenn die EU ab 2013 das Verhältnis der Autohäuser und Autohersteller neu definiert und diverse politische: „Mobilität wird immer mehr zum Spielball politischer Interessen.“

Carsten Beuß ist Nachfolger von Peter Flemming (65), der nach 30 Jahren als Chefmanager des Verbandes jetzt hoch gelobt in den Ruhestand ging. Er kennt das Geschäft, bisher war er Peter Flemmings Stellvertreter. 30 Jahre kann Carsten Beuß theoretisch auch schaffen. Das Rentenalter steigt, „ich feiere 2040 meinen 67. Geburtstag“. Bis dahin wird sich die automobile Welt drastisch wandeln, das ist für ihn keine Frage.

Technische Revolutionen sieht er dabei nicht als Problem: „Ob der Antrieb der Zukunft elektrisch ist, auf Wasserstoff basiert oder auf einer heute unbekannten Technologie, ist gleichgültig. Unser Gewerbe zeichnet sich dadurch aus, dass wir unsere Leute immer entsprechend qualifizieren können und jede Technik in den Griff bekommen. Ein Auto, egal mit welchem Antrieb, gehört in die Kfz-Werkstatt.“ Selbst Computer, die Autos selbstständig fahren und einparken oder was die Entwickler noch in petto haben, schrecken nicht, „solange die nicht im Do-it-yourself-Verfahren repariert werden, sondern in der Meisterwerkstatt – das packen wir.“

Wir – das sind in diesem Fall rund 4.500 Mitgliedsbetriebe in 26 Innungen mit rund 54.000 Beschäftigten und zusätzlich rund 10.000 Auszubildenden. Diese Betriebe werden auch in Zukunft eine starke Vertretung brauchen, daran zweifelt Carsten Beuß keine Sekunde: „Ohne Innungen und Verbände wird es nicht gehen, wer alleine steht, hat keine Chance.“

„Ziemlich sicher wird das Autohaus der Zukunft anders aussehen als heute“, sagt Beuß, „nur das ‚wie’ ist offen.“ Die EU hat beispielsweise für den Vertrieb von Neufahrzeugen ihre Vorstellungen über die Zusammenarbeit zwischen den Autohäusern und den Autoherstellern, „die noch nicht zu unseren passen. Da brauchen wir eine starke Stimme, die die Interessen der Autohäuser vertritt. Wir wollen wettbewerbsfähige Autohäuser, deren Chefinnen und Chefs als klassische Mittelständler über Wohl und Wehe ihrer Betriebe selbst entscheiden und deren Abhängigkeit von den Herstellern möglichst gering ist.“ Das ist nicht selbstverständlich: „Wir haben einen Strukturwandel, heute haben wir schon im Schnitt zwei Betriebe pro Unternehmer, demnächst werden es wohl vier sein.“

„Die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, ist das Credo. Für die Autohäuser tauchen neue Konkurrenten auf: „Es gibt schon Elektrokonzerne, die sich gerade als Autohändler versuchen – da müssen die Bedingungen gleich sein.“ Hier an der Ökosteuer drehen, dort an der Dienstwagensteuer, da an den Lohnzusatzkosten – die „politischen Rahmenbedingen wünschen wir uns im Verband auch verlässlicher. Unsere Mitgliedsbetriebe benötigen beispielsweise Planungssicherheit im Hinblick auf eine leistungsfördernde Steuerpolitik, und sie sollten verbindlich wissen, ob die Bundesregierung noch zu echten Strukturreformen in der Sozialversicherung steht.“

Keine Basteleien – was fürs moderne Auto gilt, gilt für ihn auch für alle Partner rund ums Auto: „Wir bemühen uns, ein verlässlicher Partner zu sein, aber wir erwarten das auch von den anderen.“ Wenn „mit dem Alkoholverkaufsverbot als einer Art Spätabend-Prohibition“ den Tankstellen die wirtschaftliche Existenz entzogen werde, dann könne nur ein starker Verband politisches Gegengewicht aufbauen, wenn Mobilität wird immer mehr zum Spielball politischer Interessen werde, dann werde sich das in der Verbandsarbeit niederschlagen: „Meine Aufgabe als Hauptgeschäftsführer ist es, die Vorgaben unseres Präsidiums umzusetzen und unsere Positionen deutlich zu vertreten. Das ist eine Aufgabe, die ich mir gewünscht habe und die ich gerne erfülle.“   

Lebensdaten
Geburtstag: 29.08.1973
Geburtsort: Stuttgart – Bad Cannstatt
Ausbildung: Abitur, Jurastudium an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, Wahlbereich Kollektives Arbeitsrecht, 2. Staatsexamen in Stuttgart mit Prädikat.

Beginn der Tätigkeit beim Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg: 2001